Der Raum der
Kunst. Raum und ästhetische Erfahrung in den
plastischen Künsten der Moderne
Sich mit dem Raum
abzugeben, scheint auf den ersten Blick kaum der Mühe wert: geht es
doch bei einer solchen Beschäftigung ganz offenbar um – nichts.
Die Welt, so vermutet man, sei aufgebaut aus den Gegenständen, die
man sehen, die man anfassen, an denen man sich den Kopf stoßen
kann. Und es klingt, als reise mit allzu leichtem Gepäck, wer nach
dem immateriellen Dazwischen frägt, nach den Relationen des Neben-,
Über- und Unter-, Vor- und Hintereinanders, die sich zwischen die
Dinge schieben.
In
Philosophie und Soziologie
freilich ist seit einiger Zeit ein erwachendes
Interesse an raumbezogenen Fragestellungen zu beobachten.
Dagegen sind die Reaktionen der Kunstgeschichte auf den ‚spatial
turn‘ ihrer Nachbardisziplinen vergleichsweise verhalten – sei es,
weil man noch mit der Verarbeitung des letzten, des ‚iconic
turns‘ beschäftigt ist, sei es, weil es das Verhältnis zwischen den oft
nur metaphorischen (sozialen, politischen, virtuellen) Räumen der Gesellschaftswissenschaften und den
konkreten Räumen der Kunst erst zu klären gilt. Selbst
dort, wo eigentlich die lebhafteste Auseinandersetzung mit
Raumproblemen zu erwarten wäre, in der Geschichte der Bildhauerei
nämlich, die seit Lessings Laokoon
ja (gemeinsam mit der Malerei) explizit als Raumkunst in die Wissenschaft eingeführt
ist, stößt
man auf einen höchst unbefriedigenden Forschungsstand, der sich in
einigen wenigen Probebohrungen ins kunstgeschichtliche Material
erschöpft.
Gerade
für die plastischen Künste aber, die in der Zweiten Moderne mit
Environments, Installationen, Land Art oder Kunst im urbanen Kontext
eine beispiellose räumliche Expansion erlebten, bietet es sich an,
die Produktion von Raum als eine besondere Art der ästhetischen
Sinnstiftung zu begreifen; die Betrachtung räumlicher Arrangements
könnte hier den Zugang zu Bedeutungsebenen öffnen, die einer traditionellen Hermeneutik seit
dem Zurücktreten verbindlicher ikonographischer Programme zunehmend
verschlossen
bleiben.

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