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Und das Schiff fährt.
Zu einer Video-Installation von Verena Seibt und Clea Stracke

 

// Fluctuat nec mergitur. //
(
Es mag schwanken, aber es geht nicht unter | Devise der Stadt Paris)

Eigentlich müsste man dem pochenden Herzen immer so nah sein, tief drinnen im Leib dieses sonderbaren Organismus, müsste es schlagen spüren, die schneidende Hitze schmecken, die Lungen voll Feuer. Da brennt noch was, denkt man, und eigentlich wollten wir ja auch brennen, statt nur so vor uns hinzuglimmen. Aber kaum lenkt man die Energie in geordnete Bahnen, wird sie irgendwo unterwegs aufgesogen oder geht zum Schlot hinaus.

Eigentlich müsste man auch einmal oben an Deck stehen, das Gesicht gegen den Wind gedreht, die sprühende Gischt auf der Haut, müsste dem Wetter trotzen, volle Kraft voraus. Aber dann bremst irgendetwas, werden die Wellen plötzlich sanfter, angenehmer, ein leise plätscherndes Hin und Her und Auf und Ab, von dem wir uns gern in den Schlaf schaukeln lassen.

Das ist das Verstörende an dieser Parabel über den alten Tanker Akademie: dass alles an Bord so proper scheint, so sauber, so neu, und trotzdem lastet ein Traurigsein darauf, ein Schleier aus effizient verwalteter Müdigkeit und wohltemperierter Langeweile. Es liegt etwas in der Luft, das schwer zu artikulieren ist, eine Art Appetitlosigkeit angesichts des vollen Futternapfs, ein diffuses Unbehagen an der Glätte, der Opulenz, vielleicht an der Schönheit, eine Angst jedenfalls vor der entsetzlichen Stille, von der man hofft, sie sei nur die Ruhe vor dem Sturm. Es gibt den Wunsch nach Radikalität - nicht nur in der Kunst, aber hier möglicherweise näher an der Oberfläche als anderswo -, ein Verlangen nach etwas, das einen herausreißt aus der behaglichen Apathie, in der man sich selber eingerichtet hat. Das nämlich ist das wirklich Schlimme: zu merken, dass man selbst schuld ist an der unterdrückten, aufgestauten Unruhe, diesem fürsorglich behüteten und gezähmten Wollen, und daran, dass so wenig passiert.

Eine Kunstakademie ist, wie ein Schiff, ein geschlossenes System, ein Kosmos im Kleinen und für sich. Was beide beweglich macht, hält gleichzeitig die Außenwelt auf Distanz: dort die Weite des Meeres, hier die seltsame Unbestimmtheit des Daseinszwecks, die man gerne Freiheit nennt. Das eine wie das andere kann zum Gefängnis werden. Die Matrosen, die sich, den Blick ins Ungefähre gerichtet, an der Reling aufgereiht haben, um zum Jammern eines Schifferklaviers Schuberts Ode an die Kunst zu intonieren, sitzen schon darin.

Auf der Kommandobrücke unterdessen hat der Kapitän seine Augen auf den Horizont geheftet, ein entschlossener Blick durchs Teleskop, als habe er den Kurs noch unter Kontrolle. Kein Land in Sicht. Aber das Schiff fährt.


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